Kultur · Remembrance

Ron Segal und die Erinnerung der Dritten Generation

Ron Segal: Jeder Tag wie heute. Aus dem Hebräischen von Ruth Achlama. Wallstein Verlag. Göttingen, 2014. 139 Seiten.

Der 1980 in Israel geborene Ron Segal  hat sich in seinem 2014 erschienen Romandebut „Jeder Tag wie heute“ mit jener Erinnerungsarbeit auseinandergesetzt, die die dritte Generation der Hinterbliebenen des Holocaust literarisch leisten können. Im Rahmen der Lesungsreihe Kombo Kosmopolit diskutiert er im Wiener Literaturhaus das Problem von Hococaust und Erinnern  und erzählt von seinen Recherchearbeiten in Yad Vashem und der Genese des Buches.

Weiterlesen „Ron Segal und die Erinnerung der Dritten Generation“

Kurioses

Über die Antisemiten von heute

Aus meiner jüngsten Lektüre:

Der Antisemitismus hat seine Tarnmöglichkeiten erschöpft, hat sein wahres Gesicht gezeigt und den Bankrott erklärt, und die da (die jungen Glatzen) singen ihm die zweite Stimme. Das sind die Pusteln im Gesicht einer Nation, die sich schlecht ernährt, fauche ich, genau an dieser Stelle (im Münchner Hofbräuhaus), eine Viertelstunde später und  achtzig Jahre früher, hat Hitler seine erste Rede als neuer Vorsitzender der Arbeiterpartei gehalten. Die Shoa hat mit Worten angefangen und mit Gas aufgehört.

(Ron Segal: Jeder Tag wie heute. Göttingen, 2014.)

 

Kultur

Vom Leben im Fegefeuer

Ayelet Gundar-Goshen: Löwen wecken.
Übersetzung aus dem Hebräischen von Ruth Achlama.
Verlag kein&aber, 2015.

Schlafende Löwen soll man nicht wecken, aber unter der Oberfläche unseres durch Routinen und allerhand Sicherheitsvorkehrungen geregelten Lebens schlummert das Andere, das Unberechenbare, die Gefährung. Und wer die Löwen einmal geweckt hat, der bleibt wohl unbarmherzig allein auf sich selbst gestellt.

Weiterlesen „Vom Leben im Fegefeuer“

Kultur

Literatur Exil: In der Sprache wohnen….

Zum 21. Mal wurden 2017 die Preise des Literaturwettbewerbs „Schreiben zwischen den Kulturen“ vergeben, mit denen junge AutorInnen ausgezeichnet werden, die in Deutsch schreiben. Ihre Erstsprache ist nicht Deutsch. Immerhin: die heute weithin bekannten AutorInnen Julya Rabinowich und Dimitrè Dinev  gehörten einst auch auch zu den PreisträgerInnen dieser Initiative. Interessantes gibt es aber nicht nur von der in diesem Band versammelten Literatur, sondern auch von dem Vorwort von Jessica Baer zu berichten.

Weiterlesen „Literatur Exil: In der Sprache wohnen….“

Kultur

Im Wilden Osten

Rosa Liksom: Abteil Nr. 6
DVA, 2013. Klappenbroschur.  224 Seiten

Der Mann an die junge Frau: „Drum sage ich Ihnen direkt, liebe Reisegefährtin, dass Sie mich wenigstens einmal ranlassen sollten. Davon nutzt du dich untenrum nicht ab.“

Die typisch russische Familie, erzählt mir meine Dolmetscherin unlängst bitter, bestehe aus Großmutter, Mutter und Kinder. Das politisch motivierte Gerede der Putinanhänger von der heilen Familie habe sie satt. Am selben Nachmittag beginne ich das Buch der finnischen Autorin Rosa Liksom und lese es in einem Zug zu Ende. Und ich weiß mit einem Male ganz konkret, was mit den knappen Worten meiner Begleiterin in Moskau gemeint war.

Weiterlesen „Im Wilden Osten“