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„Bücherfeedentleerung“, endlich!

Der Bücherfeed ist voll, viel Interessantes liegt vor, ich sollte wieder einmal Ordnung in meine ungeordneten Sammlungen bringen. Redlich ernährt sich das intellektuelle Eichhörnchen, allein der Genius tut unbelesen den großen Wurf!

üdischerFriedhofKrems.
Bibliothek im Jüdischen Friedhof Krems. Wikimedia Commons.

Zunächst einiges Allgemeines über Bücher, Lesen, Buchmessen, Bibliotheken, Wissensmanagement und Bestseller. Wenn man bedenkt, daß heute niemand mehr mit der steigenden Flut an Neuerscheinungen Schritt halten kann, ruft der Blick in die Vergangenheit großes Erstaunen hervor: 1865 existierten in den USA nur 700 Publikationen, 1890 waren es schon rund 4.400 Publikationen. Da war die Leserschaft wohl eine eingeschworene Gemeinde, welche sich gerne und intensiv über Zeitschriften wie The Comfort verständigte, berichtet das Smithsonian Institute (eng.). Angesichts der heutigen Bücherproduktion mutet es widersprüchlich an, daß die Leserzahlen heute wieder rückläufig sein sollen. Die Sozialen Medien, die angeblich so viel Lesezeit beanspruchen und der Buchlektüre vorenthalten, sollen daran Schuld sein. Dem widerspricht angeblich die Statistik. Das Harpers Magazine (eng.) geht dem Gefühl nach, welches uns glauben macht, daß wir in den Zeiten der Sozialen Medien angeblich weniger lesen als früher. Dies sei der Eigenart von Fiction in der „post-faktischen“ Welt zuzurechnen. Auf jeden Fall sind wir mit der NZZ einer Meinung: Lesen ist der schönste Luxus, den man sich gönnen kann (dt.). Und so man strukturversessen ist, kann man dabei unterteilen in Mikro-Lektüre, Re-Lektüre und Luxus-Lektüre. Die Freude daran sollte einem selbst die Präsenz der Rechtsradikalen auf den diversen Buchmessen in Schweden und Deutschland nicht verleiden können. Zum Thema Büchermessen und Freiheit (dt.) gab es einen interessanten, weil differenzierten Artikel in Eurozine. Und weil wir nun bei den Unangenehmen Dingen angelangt sind, folgende Hinweise: In Großbritannien sind viele Gemeindebibliotheken aufgrund knapper Budgets von der Schließung bedroht (dt.). Daß der Zugang zu einem Meer von vorhandener wissenschaftlicher Kultur nicht kostenfrei ist, sondern im Internet um teures Geld verkauft wird, ist eine Tatsache. Sie verbreitert die Kluft zwischen den reichen Wissenden und den dummen Habenichtsen. Wissen ist eben kein allgemein zugängliches Gut, setzt uns The Wire (eng.) auseinander. Das Magazin fragt: Who may swim in the Ocean of Knowledge? Um das Desaster noch ein wenig zu toppen, sei auf die Tatsache verwiesen, dass unser Zauberlehrling Harry Potter nicht nur unbeträchtliche Touristenströme an die Städte seines Wirkens bewegen kann, sondern diese auch noch kulturell zerstört. Vice (eng.) macht darauf in gewohnt respektloser und ein wenig reißerischer Manier aufmerksam: „Harry Potter Tourism is ruining Edinburg.“ Von der Zerstörung Edinburghs zur Zerstörung der Welt: dabei lerne ich, daß sich in den letzten Jahren ein neues Genre in der Literatur herausgebildet hat: die Climate-Fiction: die wird laut NZZ von spannenen Autoren wie Margret Atwood, Kim Stanly Robinson und Dietmar Dath beschrieben.

Doch wenden wir uns einzelnen Büchern zu, allem voran der Literatur: Vom Schweizer Autor Peter Stamm ist ein neuer Roman mit dem Titel Die sanfte Gleichgültigkeit der Welt erschienen, in dem das Doppelgängermotiv offenbar bravorös und interessant aufgegriffen wird, schreibt Der Freitag (dt.). Die von mir sehr verehrte israelische Autorin Ayelet Gundar-Goshen hat laut NZZ ein interessantes Buch geschrieben, in dem sie die Artenvielfalt der Lüge thematisiert. Ihr drittes Buch heißt dementsprechend schlicht Die Lügnerin. Besonderes Interesse haben zwei Bücher von Monika Maron bei mir geweckt. beide Bücher beschäftigen sich mit dem Verhältnis des Menschen zu den Rabenvögeln. Krähengekrächz (2016) war offenbar eine Vorstudie zu dem nun erschienen Roman Munin oder Chaos im Kopf, welcher laut NZZ nicht überzeugen will, aber dennoch von mir gekauft wird. Nicht kaufen muss ich mit Elfriede Jellineks Text Wut, den ich bequem und kostensparend auf ihrer Homepage (dt.) lesen kann. Er reagiert auf die Ereignisse rund um Charlie Hebdo im Jahr 2011. Ebenfalls lesen will ich John le Carré‘ s (bzw. David Cornwell’s) Roman A Legacy of Spies, nachdem auf Telepolies eine schöne Arikelserie mit dem Titel John le Carré und das Vermächtnis der Spione (dt.) erschienen ist. Letztendlich, ein ungeheuer kluges Buch, wie der Freitag schreibt, darf ich mir auf keinen Fall entgehen lassen: Isolde Charims Ich und die Anderen – Wie die neue Pluralisierung uns Alle verändert (dt.). Aber damit noch nicht genug.  Ein weiteres Lektürevorhaben ist meinem irrationalen Faible für Skandinavien geschuldet. Dieses Jahr ist eine Anthologie über die Literatur des europäischen Nordens unter dem Titel The Dark Blue Winter Overcoat and Other Stories from the North erschienen.

Und wenn ich all diese Bücher schaffen sollte, wird wohl mein Blog darunter leiden.

 

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