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Im Feed: Gegen digital, für analog!

Das Augenmerk auf Analoges scheint in letzter Zeit wieder wichtiger zu werden: der Hype des Elektronischen ebbt aus guten Gründen  langsam ab. Das mag übertrieben klingen, aber unter uns gesprochen: Wem geht das elektronische Echtzeit-Herumgetue und kindische Thumbs Up Geprotze nicht schon lange auf die Nerven? Immer hip sein, wird auch langweilig, insbesondere wenn es ein Leben lang sein soll.

telefonzellen
Telefonzellenpaar Universität Wien. Copyright: Krakatoa

Seitdem die Rechtsradikalen im Internet (dt.) ihre üblen Trollspuren hinterlassen, wir die Macht über unsere Daten verlieren (dt.) und zu Millionen zu Opfern von Cyber-Kriminalität (dt.) werden,  Soziale Medien unsere Demokratie bedrohen (eng.) und Facebook nicht mehr so richtig weiß, wohin es mit sich selbst gehen soll (eng) – spätestens dann könnten wir uns doch wieder auf das Analoge unserer Welt konzentrieren. Wir brauchen auch nicht wegen der in den Sozialen Medien erworbenen Freundschaften (eng.) besorgt sein, denn sie ähneln in ihrer Grundstruktur wohl jenen in der realen Welt. Es ist sehr einfach: hat man Freunde, dann hat man sie. Eigentlich wissen wir klammheimlich: das Smartphone ist ein Gefängnis (eng.)! Was mit Mobiltelefonen heute abgeht, wußte der Daily Mirror schon 1919 (!). In einer Art Notwehr gegen das Gesumme, Geklingle, Geleuchte und Geknipse greift dann schon so mancher Künstler zu drastischen Maßnahmen (eng.). Und nicht zuletzt: Schon gewußt, daß viele Apps auf ihrem Smartphone NICHT mit der neuen Datenschutzverordnung (Österreich: Mai 2018) (dt.) kompatibel sind, weil sie personenbezogene Daten nutzen?

Also erholen wir uns in der Welt des Analogen vom digitalen Wahnsinn, den wir uns freiwillig unterzogen haben. Loswerden tun wir ihn ohnehin nicht mehr so richtig. Wie meint Arts&Letters Daily so schön: „Ours is a world in which the human and the nonhuman, the real and the fake blur together.“ (eng.) Das Problem dabei: Soziale Medien befördern nicht nur „flache“ Erlebnisse, sondern darüber hinaus Vereinsamung und depressive Verstimmungen. Bald könnte ein spezielles Ministerium für Loners zuständig werden! Also lieber kleine analoge Glückserlebnisse haben und ein wenig minimalistischer leben!

Schon einmal kürzlich notgedrungen eine Telefonzelle gesucht? Viel Glück! Doch dieses heimelig anmutende Häuschen (das in meiner Erinnerung jedoch meistens komplett versifft war) erlebt sein Comeback (eng.) und zwar überraschenderweise als Indoor Facility! Und wann wäre es denn das letzte Mal gewesen, daß sich die Patchworkfamilie statt zum Gamen wieder rund um ein Brettspiel (dt.) versammelt hat? Analoges ist manchmal richtig schön, auch wenn man das Retrobedürfnis nicht unbedingt übertreiben muß und hinter das gebundene Buch zur Schriftrolle (dt.) zurückgehen muss. Da reicht es schon, sich seine Tagebücher selbst zu basteln: ein archaisch anmutender Augenschmaus und ein haptisches Großerlebnis (eng.) wartet auf aufs kreative Tun. Für die Retro – Extremisten unter uns: Wie war es eigentlich, als sich die Menschen noch die Geschichten der großen Epen erzählten (eng.) und was haben wir durch Verschriftlichung an ästhetischem Erlebnis verloren? Von der Schrift zum Bild, welches magisch schon vor der Erfindung der Fotografie und der Kamera auf dem Smartphone gewirkt hat. Im Deutschen Historischen Museum gibt es derzeit eine historische Ausstellung über die Gier nach neuen Bildern zu sehen, im Netz dazu den begleitenden Fachartikel von Andreas Platthaus (dt.). Wer wie ich gerne alte (analoge) Fotos kuckt, der mag sich an voyeuristischen Fotos aus dem Jahr 1890 (eng.) oder jenen des Züricher Fotographen Niklaus Strauss (dt.) ergötzen.

Als Abschluß meiner Liste etwas Prosaisches: Wen Züricher Müllsäcke (dt.) interessieren und wer sich da immer schon aus Neugier umtun wollte, der/die mag sich einem ästhetisierten, bestimmt geruchsfreien Erlebnis hingeben.

 

 

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