Logbuch

Kimchi als Selbstermächtigung?

In Wien gibt es einen Koreanischen Lebensmittelladen, auf den ich durch Zufall gestoßen bin. Es war zur Weihnachtszeit und am Eingang stand ein elektrisch betriebener Plastik  – Weihnachtsbaum, der an seiner Spitze weiße Plastikkugeln ausstieß und so die Illustion von Schneefall vermittelte. Es war wie ein Springbrunnen, in dem das Wasser durch Plastikschnee ersetzt wurde. Oder anders formuliert: der Trevi Brunnen auf Koreanisch. Das war für mich Anlaß genug, diesen Laden näher kennenzulernen.

rice02
Mitten in Wien. Copyright:Gkowar

Da ich bis zu meiner Abendveranstaltung im Literaturhaus Wien noch ein wenig Zeit hatte, beschloß ich, mich aus Neugier ein wenig in diesem Laden umzusehen. Ich tauchte in eine exotische Welt mit mir bis dahin unbekannter Ingredienzen ein, die ich noch dazu aufgrund der oft fehlenden Aufkleber in englischer oder deutscher Sprache nicht entziffern konnte. Aber selbst die übersetzten Namen der Lebensmittel sagten mir wenig. Ich genoß dieses Eintauchen ins Unbekannte, daß mich nicht abstieß, sondern in höchstem Maße neugierig machte. Erinnert hat mich dieses Erlebnis ein wenig an meine Zeit in Paris, wo der Einkauf in Chinatown zu meiner Wochenendroutine gehörte. Koreanisch jedoch, das ist für mich bis dato eine nicht sehr bekannte Welt.

Wie immer, wenn das Unbekannte lockt, stellt sich die Frage, wie man sich in dieses neue Feld an Wissen und Erfahrung einschreiben kann, wie man Schritt für Schritt das Neue erlernt und seine Unbedarftheit ablegt. Ausgangspunkt war für mich das koreanische Nationalgericht Kimchi, welches ich immer sehr gerne gegessen, jedoch nie selbst zubereitet habe. Wie machte man das wohl selbst? Die Rezeptrecherche im Internet begann und die Vielfalt der Zubereitung des Gerichts war überwältigend. Was hatte etwa Tintenfisch in Kimchi verloren? Und warum bereitet man Kimchi immer in Mengen zu, wofür der Durchschnittsösterreicher nicht einmal die Behältnisse besitzt?

In Favor of Kimchi on the contrary: wer einmal eine autochthone Eierspeise mit dem zugewanderten Kimchi genossen hat, weiß, dass es ein unverzichtbarer Essensbestandteil auch in unseren Breiten darstellen sollte, fast wie die sauren Gurkerln aus dem Marchfeld. Kimchi also über alles! Und auf welche unerwartete Genüsse muss man im Falle Koreas sonst noch einstellen?

Kurz und gut, ich darf in diesem Logbuch ein Wiedererstarken meiner Kochbegierde vermerken. Und es soll nicht beim Besuch koreanischer Lokale bleiben – diese Abkürzung im Sinne eines bloßen Gaumenabenteuers will ich nicht nehmen. Lieber ein dilletierender Koch als ein bornierter Lokalbesucher.

Aber keine Angst, dieser Blogbeitrag ist bloß eine Notiz mit mäßigem Informationsgehalt und kein Beginn einer Kochserie in hipper Lifestyle-Blogging-Manier. Für den Lifestyle, von dem ich eigentlich nicht recht weiß, warum dieser in den letzter Zeit im Internet poliert wird  wie ein protziger SUV, möge wohl jeder stumm für selbst sorgen. Marktgeschrei – das ist er sicher nicht wert. So widersprüchlich dies auch klingt: Lebensinhalt soll die selbstverliebte Beschäftigung mit der eigenen Individualität wohl nicht werden. Kimchi ist eine Speise und kein Lifestyleprodukt. Aber, und das klingt erstaunlich, manchmal kann Kimchi zur Selbstermächtigung führen!

Ich darf an dieser Stelle für ein sehr erfolgreiches und seriöses Kochblog in Englisch (wieder einmal unentgeltliche und unaufgeforderte) Werbung machen, über das sich mir die koreanische Küche langsam erschließt. Der Blog heißt Maangchi und wird von einer koreanisch-stämmigen Kanadierin betrieben – ein wenig nervig aber sehr professionell in Stil und Ausführung. Die Rezepte funktionieren jedenfalls wunderbar und auf ungute Abkürzungen in der Ausführung wird verzichtet. Die Dame ißt gerne und kommt von der Hausfrauenkost. Das spürt man an der Sorgfalt ihrer Präsentationen. Daneben gehört sie auch zu den Youtube – Ikonen, die ihre Karriere dem Medium verdanken, wie sie gerne und karrierebewußt in einem Gespräch auf Google Talks erzählt. Nebenbei bemerkt schildert sie auch auch die Lebensgeschichte einer Immigrantin: I am Korean, but legally I am Canadian and I wait for my Green Card for the US! Es lohnt, ihr zuzuhören, nicht nur für möchtegern KöchInnen. Vielleicht gehören diese migrantischen Erfolgsgeschichten öfter erzählt. Wie sagt sie so gekonnt 2017 anläßlich der Zehnjahresfeier zum Bestehen ihres Blogs: Oh yes, I am fermenting now on Youtube for ten years.

Und noch ein Tip: Besuchen sie die beiden Nakwon-Filialen in Wien, wenn sie sich gerne zu Kochabenteuern verführen lassen wollen oder einfach nur zum Kucken. Und wenn Sie sich auch hier gerne anleiten lassen, dann sei Ihnen dieser Maangchi – Führer durch die Welt koreanischer Lebensmittelläden empfohlen. Viel Vergnügen!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s