Kultur

Neue Bücher im Archiv

Das ist das Schicksal eines jeden an Büchern Interessierten: viele interessante Bücher, wenig Zeit zum Lesen und Bücherstapel, die aufs Lesen warten. Dieses Bild eines verzweifelten Zustands wird mittlerweile so oft bemüht, das es zu einem Klischee verkommen ist. Mit einem Blog wie diesem geht es einem besser: man lagert die potentielle Leseliste in das Linkarchiv aus, um später (vielleicht) darauf zurückzukommen.

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Graffity in Wien. Foto: Gkowar

Zunächst ein wenig zur Geschichte und Soziologie des Lesens: die NYT hat auf zwei Bücher hingewiesen (eng.), die sich mit der Geschichte des Lesens beschäftigen und vor allem den historischen Unterschied zwischen Storytelling und -listening und dem Still – Lesen von Büchern beschreiben. Aus der Schweiz kommt die fröhliche Nachricht von der Bibliothek der ungelesenen Bücher (dt.) in Wien: diese gibt es tatsächlich und hat ihre eigene Methode, die Stiefkinder festzustellen. Und dann wird auch noch vorgeschlagen, wie man mit und gegen eine Autorin lesen kann: es ist das Oevre der von mir verehrten und heute ein wenig aus der Mode gekommenen Marguerite Duras (eng.), die dabei im Zentrum der Betrachtung steht. Im Medienticker des Perlentauchers finden wir Hinweise auf die neue Unlust am Lesen, das auf die Beschäftigung mit den Sozialen Medien (dt.) zurückzuführen sei und ein leidenschaftliches, wenn auch argumentativ nicht sehr schlüssiges Plädoyer für das Buch als Instrument der Bürokratie (dt.). Gerne diskutiert man bei dieser Gelegenheit auch den scheinbaren Gegensatz zwischen Analogem und Digitalem Lesen(dt.). Wer allerdings pragmatisch wissen will, welches die meistverkauften deutschsprachigen Bücher des Jahres 2017 sind, mag dies dem Börsenblatt entnehmen(dt.). Und wer völlig neue Wege in der eigenen Bücherproduktion gehen will, der kann sich ja bei Kate Kato´s Papierkunst (eng.) inspirieren lassen.

Gedenken an verstorbene LiteratInnen oder intellektuele Strömungen können Leseanlass sein: Simone de Beauvoir (slideshow) ist vor 110 Jahren geboren worden und hat zumindest meine Jugend mit äußerst anregender Lektüre versorgt.  Aharon Appelfeld (eng.) war einer der interessantesten und sprachgewaltigsten Autoren, die den Holocaust überlebt haben, er ist anfangs 2018 leider verstorben. Auch an Max Frisch mag man sich zurückerinnern und insbesondere an sein Buch Stiller (dt.), das unübertroffene literarische Vexierbild zwischen Identität und Wahrnehmung. Die Washington Post hingegen widmet sich hingegen einem Buch, das sich mit dem sgn. Wiener Kreis (Moritz Schlick, Hans Hahn, Rudolf Carnap, Moritz Schlick) beschäftigt (eng.). Der Titel des Buches ist bezeichnend: Exact Thinking in Demented Times. Letzteres möchte man wohl in unseren Zeiten vermissen.

Auf meiner Bücherliste darf auch nicht fehlen: Das Buch von Svenja Goltermann über die historische Entwicklung des Opferbegriffs (dt.) bzw. die Wahrnehmung von Gewalt und Krieg in der Moderne und ein Buch über den Neoliberalismus und neue Technologien der Macht (eng.), über das der Guardian berichtet. Und weil Politiker in vielen Fällen unverantwortlich mit der sgn. Kulturellen Identität argumentieren, nehme ich mir ein Buch vor, daß eine statische kulturelle Identität in Frage stellt: Francois Julliens Abhandlung: „Es gibt keine kulturelle identität“(dt.).

Natürlich soll auch der Osten Europas nicht zu kurz kommen: hier fand ich insbesondere Duina Rustis Buch über die Securitate (eng.) in Rumänien interessant. Auch das über Crowdfunding finanzierte Fotobuch über die Sanatorien in Rußland würde ich gerne mal durchblättern. Ein Buch habe ich in die Liste aufgenommen, weil es quasi wie ein Kommentar zu meinem Posting über die Wut  erscheint: das Buch der Literaturnobelpreisträgerin 2015 Svetlana Alexievitch über die Liebe (eng).

 

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