Logbuch

Das sehr reale Draußen

Immer wieder sucht die Ungläubigen der säkularisierte Weihnachtswahnsinn heim. Nicht, daß wir uns der ideologiekritischen Auseinandersetzung mit diesem, in seinen Ursprüngen doch sehr heidnischen Fest sperren würden; nicht daß wir den Kindern und ewig infantil Gebliebenen die schale und verlogene Freude nicht gönnen wollten; nicht daß wir neidisch auf die Erregung wären, an der wir nicht teilhaben wollen und die wohl eine Sonderform von Massenhysterie darstellt. Aber bitte: man möge uns mit der Weihnacht verschonen. Das wünscht sich euer Don Quixote und seine Kampfgefährten.

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Don Quichote de la Mancha und die Bigotten. Wikimedia Commons

Ohnehin sind wir daran gewohnt, die üblich verdächtigen Orte des Trubels zu meiden: den Weihnachtsmarkt, die Punschstände, die Einkaufsstraßen, Nachbar in Not. Trotzdem erscheint jedes Versatzstück unserer sogenannten Realität zuckersüß aufgemotzt und besinnlich niedergedacht worden zu sein. Dieser Realität zu entkommen, scheint mithin ein unmögliches Unterfangen zu sein.

Zu Zeiten des Kalten Krieges hat man Kritikern der bestehenden kapitalistischen Verhältnisse in der Bundesrepublik gerne zugerufen: „Geht doch rüber in die DDR!“ Das ist auch jenes Gefühl, das einem entgegenschlägt, wenn man die Weihnacht kritisiert bzw. für sich radikal in Frage stellt: „Geht doch rüber, in die weihnachtsfreie Zone!“ Wohin, bitte? Wo sind noch letzte Flecken unser Erde, die sich der Weihnacht zu entziehen vermögen? Wenn selbst auf den Malediven dem dorthin geflüchteten Agnostiker der traditionell gekleidete Weihnachtsmann klebrig weiche Süßigkeiten bringt und die dürre Palme als Weihnachtsbaum abgefackelt wird – was bleibt dann noch an letzter Zuflucht? Die Schrecken des Eises und der Finsternis?

Mein Resume der Woche also: Unerträglich, wirklich unerträglich! Zu Hause bleiben und bis Mitte Jänner durchtauchen. Und ja nicht mit Menschen sprechen!

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